Die medikamentöse Therapie psychisch Kranker in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Ellen LEIBROCK

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Als Quellenmaterial dienten 200 Krankenberichte aus dem Archiv der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster/Pfalz in Deutschland. Es ist von Interesse zunächst einen Überblick über die Entstehung dieser Klinik zu geben. Weiterhin ist von Bedeutung, den Einfluß der französischen Psychiatrie auf die Bauweise dieser Anstalt und die hier angewandten Behandlungsmethoden zu schildern. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom Zeitpunkt der Gründung der Klinik im Jahre 1857 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die gewonnenen Ergebnisse der in Dekaden aufgeteilten Fallbeispiele wurden mit dem jeweiligen Kenntnisstand der zeitgenössigen Literatur verglichen.

Folgende Hypnotika, Sedativa und Narkotika kamen in Klingenmünster zum Einsatz : Opium, Morphin, Chloralhydrat, Kaliumbromid, Hyoscin, Urethan, Amylenhydrat, Sulfonal und Trional. Opium und seine Derivate nahmen über den gesamten Zeitraum hinweg eine führende Rolle ein. Ab 1870 kam Chloralhydrat hinzu, Ende der 70iger Jahre Kaliumbromid. Es folgten in den 80iger Jahren das Alkaloid Hyoscin sowie die synthetischen Präparate Urethan und Amylenhydrat. In den 90iger Jahren konnten die beiden Disulfone : Sulfonal und Trional nachgewiesen werden.

Das Ergebnis zeigte, daß alle Medikamente über einen kurzen Zeitraum und in geringen Dosierungen verabreicht wurden, was oft im Gegensazt zur zeitgenössigen Literatur stand. Vorrang hatte in Klingenmünster die nichtmedikamentöse Therapie wie Diät, Bäder, Ruhe, Beschäftigung. Diese Behandlungsmethode ist auf den ersten Direktor der Klinik, Dr. Hermann Dick zurückzuführen, der als Verfechter des "Non-restraint-Systems" bzw. des "traitement moral", die Anstalt 22 Jahre lang leitete.

 

Panel 6B   (Prolonged Baths)
Thursday, 16 September 1999
10.15

The Neurosciences and Psychiatry: Crossing the Boundaries

Joint Congress of the European Association for the History of Psychiatry (EAHP), the European Club for the History of Neurology (ECHN), and the International Society for the History of the Neurosciences (ISHN)

Zurich and Lausanne, Switzerland, 13-18 September 1999