Gedankenschritte, klinische Erfahrung und Konzeptionswandlung bei der Entwicklung der Malariatherapie der progressiven Paralyse durch Julius Wagner von Jauregg

Franz KOHL

Kartäuserstr. 39, 79102 Freiburg, Deutschland
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Die Malariatherapie der progressiven Paralyse wurde im Jahre 1917 durch Julius Wagner von Jauregg (1857-1940) in die klinische Behandlung der progressiven Paralyse eingeführt. Damit stand erstmals ein nach naturwissenschaftlichen Paradigmen gefundenes und erwiesenermaßen effektives Therapieverfahren zur Behandlung dieser bis dahin prognostisch höchst problematischen Erkrankung zur Verfügung. 10 Jahre nach der Einführung der Malariatherapie wurde ja Wagner von Jauregg 1927 als erster und bislang einziger Psychiater mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet.

Dieser schließlich erfolgreichen Einführung des seinerzeit als spektakulär empfundenen Behandlungsverfahren waren etwa 30 Jahre der Konzeptions- und Experimentiergeschichte vorangegangen. Bereits als junger Assistent war Wagner von Jauregg 1887 auf den möglichen Zusammenhang von fieberhaften Erkrankungen und Psychoseheilung aufmerksam geworden. Seine ersten, vergleichsweise einfach konzipierten Behandlungsversuche zeigten differierende Ergebnisse. Nach der Einführung der Tuberkuline (R. Koch 1890) änderte Wagner mehrfach seine Konzeption und studierte neben der Infektions- auch die allgemeine Fiebertherapie. Später wurde diese mit der antiluetischen Behandlung mittels Salvarsan (P. Ehrlich 1912) kombiniert. Erst die Rückkehr zu seiner modifizierten Initialkonzeption einer spezifischen Infektionstherapie ermöglichte dann 1917 den Durchbruch zur effektiven Behandlungsform.

Der Vortrag soll, ausgehend von klinischen Beobachtungen Wagners, die verschiedenen gedanklich-konzeptionellen Weiterentwicklungen in der Behandlungsstrategie und die dabei mehrfach vollzogenen Konzeptwandlungen vor dem Hintergrund neuer empirischer Erfahrungen illustrieren und unter wissenschafts-methodologischen Gesichtspunkten analysieren.

 

Panel 6B   (Prolonged Baths)
Thursday, 16 September 1999
9.25

The Neurosciences and Psychiatry: Crossing the Boundaries

Joint Congress of the European Association for the History of Psychiatry (EAHP), the European Club for the History of Neurology (ECHN), and the International Society for the History of the Neurosciences (ISHN)

Zurich and Lausanne, Switzerland, 13-18 September 1999